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Früher hätte man von Grafikdesign gesprochen, noch früher von Gebrauchsgrafik, noch früher von beweglichen Lettern, Holzschneidekunst und Schreiberkultur. Aber das war eben früher.

Kommunikation zwischen den Menschen der ganzen Welt bedient sich heute globaler Netze von elektronischen Daten, die in Kabeln oder drahtlos in unendlicher Fülle um die ganze Erde sausen. Jede Luft ist voller Daten, man kann sie nicht sehen, nicht hören und nicht schmecken, aber man kann sie sichtbar machen, hörbar und in anderer Form sinnlich faßbar.

Damit beschäftigen sich die Kommunikationsdesigner. Sie finden die Form, wie Botschaften klar und schön weitergegeben werden können, und sie kennen die Mittel, die sie befördern. Man spricht von Medien, und da es vielerlei Medien gibt, um Informationen zu transportieren, die man auch kombinieren kann, ist der Begriff Multimedia entstanden.

Die vielen Geräte, die heutzutage Daten verarbeiten und sichtbar machen, können sich alle Menschen kaufen und damit spielen. Weltweit können die Gerätebesitzer miteinander kommunizieren, jeder von seiner bequemen Wohnung aus mit den Möglichkeiten des Internet. Am Bildschirm werden die Daten sichtbar, ob es nun stehende Informationen sind oder bewegliche Bilder. Gedruckt füllen sie unaufgefordert die Briefkästen, man kann sie auch kaufen als Bücher oder Zeitungen.

Diese neue internationale Volkskunst, an der alle Menschen teilhaben, hat viele Gesichter, sie ist nicht zu gestalterischer Schönheit oder Klarheit verpflichtet. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß ein unbefangener und selbstbewußter Dilettantismus vorherrscht.

Gestaltung ist aber möglich, sie erfordert Kenntnisse, die man erlernen kann. Das versucht das Fachgebiet Kommunikationsdesign zu leisten. Die Grundkenntnisse im Umgang mit den Medien: mit dem Bleistift, der Schreibfeder, dem Pinsel, dem Fotoapparat und dem Computer vermittelt das Grundstudium.

Die kulturhistorische Position des heutigen Gestalters lehren die theoretischen Fächer, sie zeigen was es schon gab und was in anderen Epochen gedacht wurde. Sie vermitteln auch wissenschaftliche Erkenntnisse über das Wesen des Menschen, um die Wege zu finden, wie man seine Aufmerksamkeit findet und seine Seele öffnet.

Die Studenten lernen bewußt zu gestalten und beherrschen die nötigen Fachkenntnisse, die die professionelle Lösung ihrer Ideen ermöglichen. Mit dem Vordiplom schließen sie das Grundstudium ab. Im Hauptstudium können sie sich an gezielten Projekten ausprobieren und persönliche Neigungen unter dem Schutz beratender Lehrer entwickeln. Sie können sich spezialisieren oder mehrere der angebotenen Studienschwerpunkte wahrnehmen. Angeboten werden derzeit vier in sich weitgefaßte Richtungen: das Grafikdesign, das Bewegtbilddesign mit seinen beiden Bestandteilen Bild (Illustration) und Bewegung (Animation), die Beschäftigung mit vorwiegend elektronischen Medien und die Fotografie (analog und digital).

Mit der Diplomarbeit zeigen die Studierenden, daß sie ein angemessen großes Projekt eigenständig gestalten können. Sie realisieren es in einem praktischen Teil und äußern ihren Standpunkt in einer theoretischen Arbeit, die dem gestalterischen Projekt nahe sein kann oder ein eigenes Problem untersucht.

Wir wünschen uns, daß das Studium Persönlichkeiten bildet, die der schnellen und unberechenbaren Entwicklung der Kommunikationsformen zwischen den Menschen gewachsen sind, die der Entwicklung der Technik immer wieder aus der Kenntnis deren ursprünglicher Bestimmung Sinn verleihen und mit Freude künstlerische Ansprüche in die Welt des Designs tragen, die der Würde des Menschen entsprechen.

Prof. Helmut Brade

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